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O/P/Q (365 mal Gott-Lexikon) Drucken
Offenbarung
Ø    Vgl. Apokalyptik
    
Ostern
Verwoben
Das christliche Osterfest ist eng mit dem jüdischen Passafest verwoben. Nach den > Synoptikern wird das letzte Passahfest Jesu mit seinen Jüngern zum Stiftungsmahl der neuen messianischen Gemeinschaft, in dem der gekreuzigte und auferstandene Herr zur Mitte wurde. Jesus ist unser Passa, unser Passalamm (1Kor 5,7; 1Petr 1,19). An die Stelle des Passahmahls trat die Erinnerung an Jesu Hingabe, Auslieferung und Sterben, an Kreuzigung und Tod, aus dem er auferstand. Hier liegt die Mitte der christlichen Osterbotschaft. Das Osterfest ist zeitlich an das Passahfest der Juden gebunden, und nicht nur zeitlich! Das Osterfest wird durch seine Bindung an die jüdische Tradition wie das jüdische Passah als bewegliches Fest definiert.
Berechnung des Passa- und Osterdatums
Die Berechnung des Passah-Oster-Datums geschieht so: Passah-Ostern wird mit Beginn der 1. Vollmondwoche nach Frühlingsanfang gefeiert, eine lunar-solare Verflechtung! Also, am ersten Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang feiern wir Ostern, am Freitag vorher beginnt das Passahfest!
Ø    Vgl. > Passa
Ø    Vgl. Auferstehung
Ø    Vgl. Passion und Ostern, Himmelfahrt
Ø    Vgl. Passah
Ø    Vgl. Abendmahl
Ø    Vgl. Briefe, hier: Hebräerbrief

Paradies
Ø    Eden
    
Passa
Passa im Ersten Testament
Größtes jüdisches Fest, das an die Befreiung aus Ägypten erinnert (Ex 14,1-21.43-49). Die verschiedenen Rituale dieses Festes erinnern an den Aufbruch aus Ägypten und den Schutz, den Jahwe Israel in der Aufbruchsnacht gewährte. Im Schlachten und Verzehren des Passahlamms und im Verzehr ungesäuerten Brotes werden Gottes Schutz und sein Neubeginn mit seinem Volk, seine Befreiung, symbolisiert. Das Mahl wird im Stehen gegessen, die Menschen sind gegürtet, tragen Sandalen an den Füßen, zum Aufbruch bereit. Das Blut des Lammes vergegenwärtigt Gottes Versöhnung und Schutz, ungesäuertes Brot die unmittelbare Aufbruchssituation, Bitterkräuter deuten auf die notvolle Lage der Aufbrechenden hin. In der Nacht geschieht der Aufbruch: Die Mitte der Nacht ist der Beginn des neuen Tages! Im Passa manifestiert sich der Erste Bund.
Ø    06.06. Gegürtet, Sandalen an den Füßen
Passa im Zweiten Testament
Jesu letzte Mahlzeit wird von den Synoptikern als Passahmahl vorgestellt. Die in Israel üblichen vier Becher Wein, die die verschiedene Abschnitte des feierlichen Mahls jeweils einleiten, werden in der messianischen Gemeinde zum Zeichen des Neuen Bundes, den Gott in der Auslieferung und im Tode seines Messias mit den Menschen schließt. Ungesäuertes Brot und Wein kennzeichnen so die Mahlzeit des Zweiten Bundes. Die Christen von Rom haben bis zum Beginn des 4. Jhdts. beides gefeiert, das jüdische Passah und das christliche Osterfest mit seiner Eucharistie.
Ø    26.03. Abendmahl
Ø    27.03. In der Nacht, da er verraten wird
Ø    28.03. Verhör, Anklage, Folter, Verurteilung
Ø    15.11. Umkehr zur Gemeinde
Ø    Aus dem 1 Petrusbrief, 1,1-5,14, 07.12. Wiedergeburt, bis 08.12. An seinem Leibe
Ø    Vgl. Abendmahl
    
Passion und Ostern, Himmelfahrt
Passion und Ostern des Messias Jesus aus Nazareth bilden das Kernstück messianischen Glaubens. Sie sind unauflöslich miteinander verzahnt, was der Evangelist Markus darin zum Ausdruck bringt, dass er sein Evangelium von Anfang an als Passionsbericht aufbaut, zugleich aber auch als Zeugnis von Ostererfahrungen der Gemeinde und von JüngerInnen versteht. Auch die Himmelfahrtstraditionen des Mt und Lk gehören in diesen Zusammenhang.
Ø    Das Evangelium nach Markus, Mk 1,1-16,9, 04.03., Evangelium
        18.03. Zwischen den Zeiten, bis 30.03. Grablegung
Ø    31.03. Frauen am Grabe
Ø    26.05. Das Einundzwanzigste Kapitel
Ø    14.09. Versuchung
Ø    30.09. Kampfzeit
Ø    01.10. Pilatus stellt Jesu Unschuld fest
Ø    02.10. Antwort
Ø    04.10. Emmaus und der Friede
Ø    05.10. Vermächtnis und Herrschaft
Ø    Aus den Korintherbriefen des Paulus, 1Kor 1,1-2Kor16,23,
Ø    25.11. Weisheit des Kreuzes
Ø    03.10. Vergebung vom Kreuz herab
Ø    29.11. Der Anfang des neuen Äons, bis 02.12. Christusträger
Ø    08.12. An seinem Leibe
Ø    09.12. Ganz und gar
Ø    Vgl. Joseph von Arimatia
Ø    Vgl. Zweiquellentheorie
Ø    Vgl. Abendmahl
Ø    Vgl. Passa
Ø    Vgl. Ostern
    
Patriarchen
Ø    Vgl. Erzvätergeschichten

Paulus
Spätberufener Apostel
Paulus, der erste fassbare Literat des Zweiten Testaments, der sich auf umlaufende Liturgien und bereits vorhandenes messianisches Schriftgut beruft. Seine Bekehrung fand statt, als er von Jerusalem nach Damaskus aufgebrochen war, um dort messianische Juden im Auftrag des Synhedrions zu verfolgen. Das muss wenige Jahre nach dem Tode Jesu gewesen sein, wenn wir des Paulus Angaben im Galaterbrief glauben, und warum nicht? Er hatte eine Vision, die er der Erfahrung der Apostel nach der Kreuzigung Jesu gleichstellt (1Kor 15,9; Apg 9,3-6; 22,6; Gal 1,12-16). Er weis sich also direkt vom Auferstandenen, dem er begegnete, als er zur Christenverfolgung von Jerusalem nach Damaskus aufgebrochen war , zum Apostolat berufen. Paulus bleibt nach seiner Christuserfahrung zunächst in Damaskus, geht dann in die Araba, also in der Wüste (Gal 1,17), was einen Aufenthalt in Qumran nicht ausschließt. Zurückgekehrt nach Damaskus, muss er aus dieser Stadt fliehen (Apg 9,24). Er suchte den Kontakt zur Urgemeinde in Jerusalem und ihren Leitungspersonen Petrus und Jakobus und brach anschließend zu Reisen und Aufenthalten in Syrien und Cilicien auf (Gal 1,18-21; Apg 9,30). Diese Reise und die einzelnen Aufenthalte dienen den Gemeindegründungen, die er durch Briefe und nochmalige Besuche zu festigen sucht.
Radikale Theologie
Durch seine radikale Theologie gerät er in den Gegensatz zur Jerusalemer Urgemeinde, und deren missionarischer Tendenz. Für die Jerusalemer Traditionsgemeinde, die sich bis 62 n. Chr. unter der Leitung des Herrenbruders > Jakobus sammelt, bedeutet Mission, die Missionierten zu einem jüdisch geprägten Messiasglauben anzuleiten. Die Christen sollen messianische Juden werden, aber eben Juden! Für Paulus gilt die Freiheit, die der Messias bringt, grundsätzlicher. Er betont zunächst die jüdische Wurzel des Messiasglaubens, hält daran fest, dass Juda Gottes erwähltes Volk bleibt (Röm 9-11). Aber im auferstandenen Jesus bricht eine eschatologische Freiheit an, die Juden und Heiden unter dem gr. Kyrios, dem Herrn Jesus zu etwas Neuem, zur Gemeinde, eint.
Apostelkonzil
Auf einem im Jahre 49 n. Chr. anberaumten Apostelkonzil, eher ein Treffen mit einer Aussprache und verbindlichen Festlegungen für die weitere Missionierung und Gemeindegründung, wird mit Paulus ein Kompromiss ausgehandelt, der als Schriftstück in Umlauf gesetzt wird. So berichtet Lukas in der Apg. Die missionierten Heiden sollen sich vom Götzenopferfleisch, vom Erstickten und vom Blut fernhalten. Das bedeutet konkret: Messianische Menschen sollen kein Fleisch einkaufen und verzehren, das aus staatlichen Tempeln als Opferfleisch in Läden und auf dem Markt öffentlich verkauft wird. Sie sollen nur nach jüdischem Ritus geschächtetes Fleisch verbrauchen. Und sollen sich von allen Fleischerzeugnissen die mit Blut untermischt sind, fernhalten. Das bedeutet ein weitgehendes Eingehen auf jüdische Lebensregeln. Andererseits wird klar akzeptiert, dass das äußere Kernmerkmal des jüdischen Glaubens, die Beschneiddung, nicht für zum Messianismus bekehrte Heiden gilt (Apg 15,1ff.).
Andere Version
Wenn wir in den Galaterbrief schauen, erleben wir die Entwicklung des jungen Christentums anders. Von einem Konzil ist keine Rede, Paulus berichtet, er habe Petrus ins Angesicht hinein widerstanden (Gal. 2,1ff.). Wenn es zu einem Treffen gekommen sein sollte, gab es offene Fragen. Offensichtlich wurde bei einer etwaigen Vereinbarung nicht bedacht (oder auch bewusst ausgeklammert), dass außerhalb Judas, wo in der Mehrzahl noch Juden leben, Juden- und Heidenchristen zu einer Messiasgemeinde zusammenwachsen, die sich mehrheitlich aus bekehrten Heiden zusammensetzt. So geraten beide Gruppen unter Druck. Wenn für die Heidenchristen die Beschneidung nicht gilt, warum soll sie für die Kinder der Judenchristen gelten (Apg 21,15ff.)?
Einheit der Gemeinde aus Juden und Heiden
Was lehrt Paulus auf den fernen Missionsfeldern des Römerreiches? Paulus drängt es, nach der zweiten und dritten Missionsreise, auf der es bei seinen Predigten in Synagogen zu neuen Konflikten gekommen war, nach Jerusalem zu reisen, um dort Klarheit zu schaffen und auch Sympathie zu gewinnen. Trotz aller Warnungen reist er, so stellt es Lukas dar, um die Einheit der Gemeinde aus Juden und Heiden zu erhalten. Er überbringt eine Kollekte für die > Armen in Jerusalem. Dort angekommen, eskaliert der Konflikt. Paulus wird in Römerschutzhaft genommen. Nur das rettet ihn vor sicherer Ermordung (Apg 21,1-23,35). Paulus, der sich auf seine römische Staatsbürgerschaft beruft, wird nach längerem Aufenthalt in Caesarea in einer abenteuerlichen und langwierigen Schiffsreise als Gefangener nach Rom gebracht, wo ihn freilich niemand aus der Gemeinde empfängt, während doch der Brief, den Paulus etwa zwei Jahre vorher an die Römer schreibt, vor allem im zweiten Schluss, im 16. Kapitel voller Personennamen strotzt, von denen Lukas in seiner Schilderung der Paulusankunft in Rom niemanden erwähnt (Apg 27,1-28,31). Vielleicht aber stellt dieser Briefschluss einen späteren Anhang dar? Oder wurde dieser Briefschluss von einem anderen Paulusbriefes hierher verschoben? Diese Fragen werden von Gelehrten gestellt.
Tendenzen in der Berichterstattung der Apostelgeschichte
Insgesamt ist die Apg in ihrer Berichterstattung gefärbt. Sie will erzählen, wie das Evangelium vom gr. Kyrios Jesus aus dem äußersten Winkel Galiläas über Jerusalem in der Person des Paulus nach Rom gelangt, eine Weltreligion, die die gr. oikumene, der gesamten bewohnten Welt im Messias Jesus im Glauben an den einen Gott und Vater aller Menschen eint, wobei Juden und Völkerwelt im Messias versöhnt werden.
Kein Brief erwähnt
Darum erwähnt Lukas mit keinem Sterbenswörtchen, dass Paulus mit den von ihm gegründeten Gemeinden im Briefwechsel stand, erwähnt kein einziges seiner Schreiben, die doch die ersten Dokumente des Messiasglaubens überhaupt darstellen, lange vor den Evangelien. Aber in diesen Brief zeigt sich auch ein agitatorischer Paulus, der keine Angst hat, sich mit dem Messiasestablishment anzulegen, was natürlich der Harmonisierungstendenz des Lukas zuwider läuft. Darum in der Apg kein Wort über des Paulus Briefe! Weil Lukas ein absoluter Paulusfan ist, wird in seiner Darstellung auch nicht deutlich, dass dieser auf dem Missionsfeld, mit Sicherheit auch in Rom, bedeutende Mitstreiter hat, die ihm sein Apostolat, das er selbst aus einer nachösterlichen, sehr späten Christusvision begründet, streitig machen.
Paulus in der Kritik
Paulus berichtet, dass ihm Christus 14 Jahre vor dem Apostelkonzil begegnet sei (Gal 2,1ff.), was bedeutet, dass er seine Bekehrung zum Messianismus um 35 n. Chr. erlebte, also drei Jahre nach dem Tode Jesu, relativ früh. Doch grenzt ihn das Jerusalemer messianische Establishment, Verwandte, Bekannte, Nachfolger des historischen Jesus, aus. Ihm wird abgesprochen, kein Apostelamt inne zu haben. Nicht einmal für die von ihm gegründeten Gemeinden besitze er eine apostolische Autorität. Darum wird stets nachevangelisiert. So muss Paulus sein Amt aus seinem Damaskuserlebnis und aus seinem eigenen Lebensweg, aus den Verfolgungen, Schlägen, Folterungen, Gefängnisaufenthalten um Jesu willen immer aufs Neue begründen: Er selbst sieht seinen Weg als Christusweg. Passion und Auferweckung Jesu spiegeln sich in seinem Leben wider, Christus in ihm. Dieser Einsatz, dieser Eifer, Verfolgung und Überleben beglaubigen ihn als Apostel. Da können alle anderen reden, was sie wollen.
Drei Radikalitäten in der Theologie des Paulus
Drei Radikalitäten zeichnen die Theologie des Paulus aus:
  1. Die Radikalität der Befreiung; im Messias bricht eine neue Weltordnung an, die alle Unterdrückungen und Benachteiligungen wegnimmt (Gal 3,28);
  2. Die Radikalität einer neuen Christusidentität des einzelnen Gläubigen (2Kor 6,1-10); der einzelne Mensch wird in den Messiasweg, in Kreuz und Auferweckung, in einen radikalen Neubeginn hineingenommen (2Kor 5,17).
  3. Die Radikalität der Gnade; der um und um vor Gott schuldige Mensch wird aus Gottes Gnade, nicht aus eigener Leistung auf den Christusweg der Befreiung gebracht (Röm 3,19-26).
Meister der Formulierung
Paulus, ein radikaler Theologe, ist zugleich ein Meister des Wortes. Abgesehen davon, dass er ältestes messianisches Liturgie- und Glaubensgut in seine Briefe aufnimmt und so vor dem Untergang bewahrt, ist ihm eine große Formulier- und Dichtkunst zu eigen, wie das Hohelied der Liebe und auch poetisiernde Hymnen beweisen (1Kor 13,1-13; Röm 8,31-39).
Nochmals Lukas
In den Paulusbriefen tritt uns ein anderer Apostel entgegen als ihn Lukas in seiner Apg schildert. Lukas fertigt eine Apologie des jungen Christentums an, wirbt dafür, dass das Evangelium zur neuen geistigen Mitte Roms werden solle. Er schreibt mit seiner Apg eine glänzende, farbige, romanhafte Introduktion in den Christusglauben, die zugleich ein brauchbares Apologiemuster für jeden Christusbekenner, den Rom, seine Caesaren und Vasallen, vor den Kadi stellen, abgibt.
Wann starb Paulus?
Wahrscheinlich ist Paulus in der Verfolgung, die Nero unter den Christen Roms anzettelte, umgekommen, um 64 n. Chr. Dann wären zumindest die Pastoralbriefe in seinem Namen nach seinem Tode geschrieben, vgl. dazu > Briefe.
Ø    Aus verschiedenen Briefen des Paulus, 09.11., Umkehr zum Messias Jesus, bis 15.11. Umkehr zur Gemeinde
Ø    Aus dem Römerbrief des Paulus, Röm 1,1-16,27
Ø    16.11. Paulus, ein Knecht Jesu Christi, bis 24.11. Christ und Staat
Ø    Aus den Korintherbriefen des Paulus, 1Kor 1,1-2Kor 16,23, 25.11. Weisheit des Kreuzes, bis 02.12. Christusträger
Ø    Aus dem Galaterbrief des Paulus, Gal 1,1-6,18
Ø    03.12. Zur Freiheit befreit, bis 04.12. Geschwisterlichkeit
Ø    Aus dem Philipperbrief des Paulus, Phil 1,1-4,23
Ø    05.12. Wie der Messias Jesus, bis 06.12. Der Herr ist nahe
Ø    Vgl. Briefe
Ø    Vgl. Frauen in der Bibel
    
Pax Romana
Der lat. Begriff Pax Romana meint den Kolonisations- und Besatzerfrieden, den die Römer nach der Eroberung eines Landes oder eines Landstriches mit eiserner Faust aufrichteten. Klar waren die Menschen der eroberten Provinzen Menschen einer niederen Klasse, die sich den Belangen Roms unterzuordnen hatten. Dafür wurden für Handel und Wandel Entfaltungsmöglichkeiten garantiert.
Ø    Staat, Gehorsam und Widerstand, jüdische und christliche Auffassungen
    
Perser, Persien
Volk, das in der Antike das Gebiet des heutigen Iran besiedelte, die Gegend vom Kaspischen Meer bis zum Persischen Golf, die bis heute Persien heißt. Persien gewann in der Antike die Herrschaft über das Reich der Babylonier und löste so Babel als Großmacht ab. Cyros der Große (558 – 528 v. Chr.) baute die persische Hoheit auf. Er begründete mit seinem Sieg über die Meder (552 v. Chr.) und mit der Eroberung Babylons (539 v. Chr.) das persische Großreich. Bereits 538 v. Chr. sorgte er dafür, dass die Juden, die von den Babyloniern nach Babel in die Verbannung geschleppt worden waren, zurückkehren und den Tempel wieder aufbauen durften. Die Tempelweihe fand 515 v. Chr. statt. Überhaupt zeichnete sich die persische Völkerpolitik zunächst durch Humanität aus. Im Kampf gegen die Griechen fanden die Perser aber ihren Meister. Alexander der Große besiegte bei Issus die Perser und machte so den Weg für sein kurzfristiges Weltreich frei.
Ø    Vgl. Jeremia
Ø    Vgl. Babylonien
Ø    Vgl. Staat....!
    
Petrus
Apostel in verschiedenen Rollen
Einer der Zwölf, galt als ihr Anführer, Simon Kephas, der Fels, im Zweiten Testament u. U. mit einer Schrift vertreten, 1. Petrusbrief, während der 2. Petrusbrief eher im Namen des Petrus von Späteren verfasst wurde, die sich auf die Autorität des Petrus beriefen. Petrus taucht in allen Evangelien und in der Apostelgeschichte, Kap 1-10, auf, in einem Nachklapp in Apg 15. Er unternimmt wie Paulus Missionsreisen, die aber nicht dokumentiert sind. In den Evangelien und der Apg nimmt Petrus interessante Rollen ein, die miteinander korrespondieren.
Führungsrolle nach Ostern
Petrus, Kaiphas, Fels scheint zunächst eine absolute Führungsrolle nach Ostern innegehabt zu haben. Schließlich heißt auch der Hohepriester, der maßgeblich zur Verhaftung Jesu beitrug so, Kaiphas! Fels gegen Fels! Er ist Wortführer, Bekenner und Prediger der messianischen Idee aus der Pfingstgeschichte heraus, Deuter und Täter der Geistausgießung, Begründer der Urgemeinde (Apg 2,1ff.), was sich auch in den Evangelien spiegelt: Er bekennt Jesus als den Messias, den Gottessohn, der der Knecht Gottes ist (Mk 8,27-30, par.).
Komplikationen
Später wagt sich Petrus in die noch in Palästina angesiedelte Heidenmission vor, die er mutig vor den übrigen Aposteln verteidigt, so Lukas (Apg 10,1-11,18). In der Verfolgungswelle durch Herodes, bei der der Zebedaide Jakobus 44 n. Chr. enthauptet wird, gerät Petrus ins Gefängnis, kommt aber wunderhaft frei, was zur Hinrichtung seiner 16 Bewacher führt (Apg 12,1-19). Abgesehen von einer Rede auf der Apostelversammlung, mit der er die Heidenmission vertritt, die auf die Totaleinführung jüdischer Bräuche verzichtet, zum Beispiel auf koscheres Essen (Apg 15,7-11), verschwindet Petrus von der Bildfläche.
Paulus verdeutlicht
Paulus redet deutlicher: Petrus habe in Antiochien Tischgemeinschaft mit den messianischen Heiden gehalten, also auf jüdisches Brauchtum verzichtet. Als aber Anhänger des Jakobus in dieser Gemeinde auftauchen, zieht sich Petrus zurück. Paulus scheut den Konflikt nicht: „Wenn du als Jude heidnisch lebst, wie kannst du von neubekehrten Heiden jüdisches Brauchtum verlangen?“ (Gal 2,11-14)
Spiegelungen in den Evangelien
Dieser Wankelmut, eine gewisse Charakterschwäche des Petrus, spiegelt sich unübersehbar in den Evangelien. Petrus bekennt Jesus als den Messias, hat aber immer noch das Bild eines Siegermessias vor Augen und wird dafür von Jesus scharf getadelt (Mk 8,27-33). Petrus betritt auf Jesu Aufforderung hin das Wasser, geht aber kläglich unter und muss von Jesus gerettet werden (Mt 14,22-33). Obwohl er Jesus Treue schwört, schläft er, zusammen mit Johannes und Jakobus in Gethsemane ein, verleugnet Jesus, während dieser verhört wird (Mt 26,30-35.36-46.69-75). Diese Episoden könnten spiegeln, wie Petrus sich vor verantwortlichen Entscheidungen drückt und deutlich aus der Gnade leben muss. Im Johannesevangelium, im 21. Kapitel, gibt es eine Andeutung, dass Petrus, der das Martyrium umgeht, doch als Märtyrer endet. Auch im Johannesevangelium werden bildhaft Brüche und Heilungen in der Glaubensvita des Petrus angedeutet (Joh 21,1-23).
Vita
Simon, Sohn des Jona, auch: des Johannes (Apg 15,14; Mt 16,17; Joh 1,42), in Galiläa geboren (Mk 14,70), wohnt in Bethsaida, arbeitet dort als Fischer zusammen mit seinem Bruder Andreas und wird von Jesus zum Menschenfischer berufen (Mk 1,16.21.30; Lk 5,1-11; Joh 21,1ff.). Im Jüngerkreis (und damit auch in der Urgemeinde) nimmt er eine bevorzugte Stellung ein und tritt als Sprecher auf (Mt 16,16; 17,25ff.; Joh 6,68; 13,6-10; Apg 2,14-36). Die Bibel weiß andeutungsweise vom Märtyrertod des Petrus (Joh 21,8f.), die Legende von einer Kreuzigung in Rom.
Ø    Aus dem 1. Petrusbrief, 1Petr 1,1-5,14, 07.12. Wiedergeburt, bis 12.12. Nüchtern und wach
Ø    Vgl. Lukas
Ø    Vgl. Markus
Ø    Vgl. Matthäus
Ø    Vgl. Briefe
    
Pfingsten
In fast allen christlichen Auslegungen von Apg 2,1ff. wird der dichte erststamentliche Hintergrund verdrängt. Pfingsten, hebr. Azartha, heute: hebr. Schawuot, Wochenfest, ist das Fest, in dem sich das > Jubeljahr symbolisiert, ebenso wird dieses Vielvölkerfest zum Symbol, dass Heiden und Juden zu einem Volk Gottes verschmelzen.
Ø    06.10. Der Geist macht frei, bis 10.10. Pfingstpredigt, Pfingstgemeinde
Ø    Vgl. Jubeljahr
    
Pharisäer, Sadduzäer, Qumrananhänger / Essener, Schriftgelehrte
Chassidim, die Frommen
Pharisäer, Abgesonderte, nannte sich eine jüdische Glaubensgruppe mit größtem Einfluss zur Zeit Jesu, die aus der Wurzel der hebr. Chassidim, der Frommen, hervorgeht (1Makk 2,42). Die Anhänger dieser Gruppierung innerhalb der nachexilischen jüdischer Kultur wurden auch Gerechte (Ps 1,5), die Treuen bzw. die Stillen im Lande (Ps 35,20; 101,6) genannt. Diese Gruppe der Frommen, die zunächst beim Wiederaufbau Israels mitwirkte und auch anfangs am über dreißigjährigen Befreiungskrieg der > Makkabäer teilnahm (167-104 v. Chr.), zog sich aus dem Krieg und dann auch aus der Tagespolitik zurück, weil diese längst nicht mehr ihren Frömmigkeitsgrundsätzen entsprach.
Entstehung der Gruppen
Eine innerjüdische Verfolgungswelle gegen diese Frommen setzte ein, die man aus der Endredaktion der Psalmen sehr gut rekonstruieren kann (Ps 94,1). In der späten Weisheitsliteratur, die die grundlegende Idee der allgegenwärtigen Gerechtigkeit Gottes vertritt, wird das Dilemma ergreifend offenbar: Die Frommen flehen Gott an, seine Gerechtigkeit doch gegen die augenblickliche Jüdische Gewaltherrschaft durchzusetzen. Da es offensichtlich derzeit keine Gottesgerechtigkeit gibt, selbst im Volk Gottes nicht, werden zwei neue Theologien geboren, die eine aus dem Gedanken, Gott werde in der Ewigkeit seine Gerechtigkeit an den Verstorbenen vollziehen, werde nach dem Tode belohnen und bestrafen (Sap 2,1-20). Eine derartige Vorstellung gab es bisher im Judentum nicht! Die andere Vorstellung, die sich entwickelte, lautet, die Weltgeschichte stehe kurz vor ihrem Abbruch, am Ende der Tage werde Gott erscheinen und alle(s) richten, was bald geschehe (Dan 7,13f.). Beide Vorstellungen sind auch im NT zu finden (Lk 16,9-31; Mt 25,31-46).
Qumrananhänger /Essener
In den Tagen dieser innerjüdischen Verfolgung kommt es zur Sektengründung von Qumran, ein Absonderung frommer Menschen in der Wüste am Toten Meer. 1949 wurden zunächst in verschiedenen Höhlen Schriftenrollen, anschließend auch die Klosteranlagen entdeckt. Bei > Josephus wird diese Gemeinschaft Essener genannt, eine Gruppe, die weisheitliche Theologie zu einem strengen asketischen Leben formt, so der antike jüdische Schriftsteller. Gütergemeinschaft ist Pflicht, Nächstenliebe stets eine notwendige und konkrete Tat an jedem, der die Barmherzigkeit eines Helfers oder einer Helferin braucht. Das Essenertum, wie es Josephus schildert, trägt auf frappierende Weise Züge urgemeindlichen Lebens. Auch erzählt er nichts von einem Wüstenzentrum dieser Gruppe. Er betont vielmehr, dass die Essener bewusst unter dem Volk leben und sich hoch sozial und kommunikativ verhalten (BJ II 8,2ff.).
Schriften von Qumran
Die Schriften, die in Qumran gefunden wurden, enthalten neben biblischem Schriftgut verschiedene Buchrollen, die den apokalyptischen Hintergrund dieser Gruppierung hervorscheinen lassen. Es scheint zur Ordensgründung gekommen zu sein, als angesehene Führer der jüdischen Frömmigkeitsbewegung in Jerusalem ermordet wurde. Gottes Rachetag, die Umkehr aller Verhältnisse unter den Vorzeichen eines Endkampfes, wird erwartet und vorbereitet. Zwei Messiasse werden auftreten, ein Kriegs- und anschließend ein Friedensmessias. Oder ist eine Person gemeint, die zwei Phasen durchläuft?
Pharisäer
Andere Fromme bleiben im Lande, gehen in die innere Immigration, eben die Absonderung, die Pharisäer. Die strengste Einhaltung der Tora wird zu ihrem Lebensziel, die Absonderung vom hebr. am ha arez, dem Volk vom Lande, das keine Zeit und Möglichkeit hat, sich in religiösen Einzelheiten zu verlieren und darum als ungläubig gilt? Jahrhunderte lang haben die Pharisäer den Christen als Prototyp der Gegner Jesu herhalten müssen und allein durch die Typisierung einen oft berserkerhaften Antisemitismus ans Licht geholt. Das holzschnitzartige Bild, das wir von den Pharisäern haben, sie seien die fanatischen Gegner Jesu und an seinem Tode erheblich mit schuld, ist falsch.
Gemeinsamer Glaube
So teilten die Pharisäer mit Jesus die Vorstellung, dass es nach dem Tode, oder: am Ende der Weltgeschichte ein Gottesgericht geben werde, das die, die im Unrecht lebten, richtet und die, die Gerechtigkeit auf Erden übten, zu Erben des Gottesreiches erklärt (z. B. Mt 25,31-46).
Sadduzäer
Eine weitere Gruppe innerhalb der zeitgenössischen jüdischen Theologie, dem Sadduzäertum verpflichtet, hält an der orthodoxen Theologie fest, Richtschnur des Handelns bleibt die Tora, übriges biblisches Schrifttum wird nicht berücksichtigt. So ist die Totenauferstehung nicht das Ding der Sadduzäer. Einem Sadduzäer fällt es leichter, einer aufgeklärten Theologie zu folgen, die sich mit einer Hellenisierung des Judentums arrangieren kann. Insofern sind die Sadduzäer auch zu politischen Kompromissen mit Rom bereit, was ihnen in Bezug auf Aufstieg und Etablierung hilfreich und nützlich ist. Sadduzäertum war vor allem in politisch hochgestellten Kreisen zu finden. Vielleicht ist der Begriff Sadduzäer vom Namen des Priesters Zadok abzuleiten, ein Priester zur Davidzeit (2Sam 8,17-1Kön 4,2), nach dem sich ein ganzes Priestergeschlecht benannte. Die Sadduzäer lehnten das Hinzukommen neuer Schriften zum bekannten Kanon der fünf Bücher Mose und der Geschichtsbücher der Bibel rundweg ab. Selbst die Prophetenbücher waren ihnen suspekt. Alles, was neu auf dem Religionsmarkt erschien und nach Jenseitspekulation oder nach apokalyptischem Weltenende roch und dabei auch noch Auferstehungsgedanken einfließen ließ, war ihnen ein Greuel.
Schriftgelehrte
Schriftgelehrte gab es zur Jesuszeit und später in jeder der angedeuteten Richtungen, wie übrigens auch in der jungen messianischen Bewegung Schriftgelehrte gab, z. B. Paulus, der aus der angesehenen Gelehrtenschule, der des Gamaliel stammte –und auch nach seiner Bekehrung ein Schriftgelehrter blieb (Apg 5,33ff., 22,3). Des atl. Gesetzes kundig und zur Auslegung schulmäßig ausgebildet, erhielten Schriftgelehrte ab 70 n. Chr., nach der Tempelzerstörung, den Titel „Rabbi“, „Mein Meister“, ein Ehrenname, den die Evangelisten und die übrige NT-Literatur nur auf Jesus anwendeten (Mt 26,25; Mk 9,5; Joh 1,38).
Ø    Vgl. Briefe, hier: Hebräerbrief
Jesus selbst
Jesus kommt aus dem Milieu des Pharisäismus, setzt sich aber mit der sektenhaften Enge, die in der Gruppe der Frommen gewachsen war, auseinander. Insofern geht Jesus auch nicht mit Lehrmeinungen aus Qumran konform, wo Berührungsängste mit der Welt zum Kult erhoben wurden und das Weltende spekulativ berechenbar erschien. Was die Totenauferstehung anbetrifft, so ereignet sich im gekreuzigten Auferstandenen so etwas wie eine pharisäische Konkretion. Die Auferstehungshoffnung verbindet sich mit der Vorstellung, ein radikal neues Zeitalter sei angebrochen, ein apokalyptisches Erbe, das u. a. in > Qumran gegenwärtig war. Mit dem Sadduzäismus ist Jesus u. U. durch seine Absage an Berührungsängste vor Neuem und Fremden verbunden.
Ø    Vgl. Staat Gehorsam und Widerstand, jüdische und christliche Auffassungen
Ø    Vgl. Apokalyptik
Ø    Vgl. Paulus
    
Philemonbrief
Ø    13.11., Umkehr zur Ordnung
Ø    Vgl. Briefe
    
Philipperbrief
Ø    Aus dem Philipperbrief des Paulus, Phil 1,1-4,25, 05.12. Wie der Messias Jesus, bis 06.12. Der Herr ist nahe!
Ø    Vgl. Briefe
    
Philister
Die Philister kamen, wahrscheinlich im Zuge der Dorischen Wanderung, die 1.500 v. Chr. begann, nach Palästina, ein nichtsemitisches Handelsvolk, das um 1.100 den Westen Palästinas bis ins Judäische Gebirge hinein besetzt hielt und alle israelitischen Stämme kontrollierte. Ein Fünfstädtebund der Städte Gaza, Askalon, Asdod, Gad und Ekron schloss die Philister zusammen, die militärisch Israel haushoch überlegen waren. Saul hatte gegen Philistäa keine Chance, erst David drängten den Einfluss dieses Seevolks zurück (2Sam 5,17ff; 8,1).
Ø    9.7. Verheißung
Ø    20.7. Die Bundeslade, bis 22.7. Abhängigkeiten, Gegner, Gegenwelten
    
Philo von Alexandrien
Philosoph und Politiker
Berühmter jüdischer Philosoph, Zeitgenosse Jesu und der Apostel, in Alexandrien lehrend. Das einzige Lebensdatum, das wir von ihm kennen, ist, dass er im Jahr 39/40 mit einer jüdischen Delegation beim Kaiser Gajus Caligula in Rom weilte, um für die jüdische Bevölkerung, von Alexandrien, das eine starken jüdischen Bevölkerungsanteil aufwies, bessere Lebensbedingungen auszuhandeln und die bestehende Pogromgefahr abzuwenden. Philo unternimmt den großartigen Versuch, einen Weg zwischen stupider Hellenisierung und verbissenem Festhalten an jüdischer Tradition einen Weg des Verstehens zu finden. Das Judentum soll sich mit dem Hellenismus versöhnen, ohne seinen Kern, die Mosestradition aufzugeben. Sein Hauptwerk, ein scharfsinniger und teifschürfender Kommentar zur Genesis, von denen viele Abschnitte verloren sind, wie überhaupt Philo uns nur aus der Tradition der Kirchenväter bekannt wurde, die ihn zu den Ihren zählten.
Auslegungsmethode
Philo benutzt und verfeinert eine besondere Auslegungsmethode, die Allegorese, die vor ihm schon Aristobul für sich entdeckt hatte. Der Bibeltext, so Philo, hat ein vorläufiges Gesicht, auf das man schaut, der Tatbestand der Erzählung, des Berichtes, des Gebetes usw. Aber hinter dieser Oberfläche verstecken sich Geheimnisse. Der zitierte Text erzählt auch immer seine Vor- und seine Nachgeschichte mit, seine Verästelungen in die Heilige Schrift hinein. Hinter der einfachen Wahrheit versteckt sich Unbekanntes, das es zu entdecken gilt. So gewinnt der Leser andere, tiefere Erkenntnisse aus dem Text, freilich nicht im Sinne einer Geheimlehre! Denn Philo schafft keine neuen Mythen, umgibt die Heilige Schrift auch nicht mit dem Schein eines selbsterfundenen Mystizismus, sondern er entwickelt eine für alle Hellenisten verstehbare Wahrheit aus dem Gesetz Gottes heraus, das Gott dem Mose gab.
Gr. Syntheke
Er übersetzt so die Bücher Mose phantasievoll ins Griechische, bringt die Bibel den Hellenisten nahe. Ihm geht dabei auf, dass jedes Wort der Schrift bei der Übersetzung in eine andere Sprache eine andere Färbung annimmt, worauf man achten soll. So verwirft Philo die gängige Übersetzung ins Griechische von hebr. berith, Bund, gr. diatheke, und ersetzt das gr diatheke, was eigentlich den Erbvertrag meint, mit gr. syntheke, weil der Bund, den Gott mit den Menschen schließt, nicht einseitig, sondern auf Partnerschaft aus ist, zu deutsch etwa Gemeinschaftsvertrag.
Aufgegriffen
Die Idee vom mehrfache Schriftsinn, die später Origenes aufgriff und methodisierte, fand bis ins Mittelalter, vielleicht bis heute viele Freunde. Dabei gelingt es Philo das Wesen der jüdisch-biblischen Kultur, Sprache und Philosophie glänzend aufzuschlüsseln, so dass er auch den Boden für die messianische Version des Judentums erheblich vorbereitete. Auch könnten Philos Methoden von einigen SchreiberInnen des Zweiten Testaments aufgegriffen worden sein. So deuten der Hebräerbrief wie auch streckenweise Paulus das Erste Testament auf ihre Weise allegorisch aus. U. U. haben auch einige Evangelisten aufgrund ihres Kontaktes mit Philo ihre tiefgründigen Mehrbedeutungen in die Texte ihrer Evangelien eingebracht, wie z. B. Markus, auch Johannes.
    
Philosophie, hebräische und griechische
Wohl als erster hat Thorleif Boman, in Das hebräische Denken im Vergleich mit dem griechischen die erheblichen Unterschiede zwischen dem griechisch-hellenistischen und dem hebräischen Denken herausgestellt (Göttingen 1959, 3. Auflage): „Der Zustand der stativen Verben „ist aber nicht starr und tot, sondern im Fluss; er ist ein Werden ebenso sehr wie ein Sein. Der Unterschied von Werden und Sein, der uns (und noch mehr den Griechen) bedeutungsvoll ist, scheint den Hebräern irrelevant zu sein, oder als eine Einheit empfunden zu werden“ (S. 23). Gott ist ein Gott im Werden, im Kommen. Wir leben zu ihm hin nicht in einer statischen sondern dynamischen Beziehung, so das hebräische Denken, während die griechische, vor allem die aristotelische Philosophie eher das Substantielle, das Vorhandensein, das sichtbar Seiende im Sein betont. Aus diesem Unterschied kann die Dogmenentwicklung erklärt werden, wenn wir uns die Mühe machen, Dogmen und Glaubensaussagen der Frühzeit der Christenheit wortphilosophisch auf ihrem biblischen Hintergrund zu untersuchen. Vgl. auch: Dieter Stork, Ich glaube, Konstanz 1994, passim.
    
Pison
Ø    Eden
    
Priesterschrift
Ø    Quellen und Quellenscheidung im Pentateuch
    
Propheten
Ein Überblick

Die 12 kleinen und 4 großen Schriftpropheten, die wir bündig zu den Propheten zusammenfassen, sind ein unschätzbares Gut der Ersten Testaments. Sie sind kostbarste Zeitdokumente, enthalten hochpoetische Gesellschaftsanalysen und zeigen das Ringen innerhalb der auf Jahwe vertrauenden Gesellschaft um die Verwirklichung einer Gerechtigkeit, die nicht erst im Himmel, sondern mitten im Volk, auf dieser Erde durch Menschen verwirklicht werden muss.
Thesen zum Prophetentum
  1. Propheten wollen den Willen Gottes verdeutlichen: Sie analysieren die Gesellschaft und kommen zu deutenden Schlüssen: Ein Volk, das militärisch aufrüstet, die soziale Frage hingegen vernachlässigt, geht seiner Isolation und dem Untergang entgegen. Innere Feinde, Instabilität und Unrecht, fressen die Gesellschaft von innen her auf. Kriege sind nur noch der äußere Anstoß zur Vernichtung der Völker einer Region.
  2. Verschiedene religiöse, soziale und politische Erfahrungen aus früheren religiösen Erfahrungen der Vor- und Nachbarvölker Israels fließen im Prophetenamt zusammen: Bei den Vor und Nachbarvölkern Israels finden sich Elemente eines prophetischen Amtes: Menschen weissagen und entwickeln so Geschichte, indem aus einer Zukunftsschau eine politische Beratung wächst. Das Seheramt (hebr. roäh) verbindet sich mit ekstatischen, besser: ganzheitlichen Elementen. Propheten geraten in körperliche Verzückung, bzw. vollziehen symbolische Handlungen, in denen die vorausgesagten Ereignisse in einer Symbolhandlung vorweggenommen werden (hebr.: nabi). Die Wurzeln des Prophetismus reichen tief ins Schamanentum zurück. 
  3. Andere Völker haben ein anderes Prophetentum. Das Prophetentum der sogenannten Ras Schamra Texte (der heutige Name dieser Stadt im Norden Syriens mit bedeutenden Textfunden), auch Texte aus Ugarit genannt (der ursprüngliche Name), beschränkt sich auf ein Tu dies! Tu das! Es ist ein Anraten zu diesem und jenem Tun, das auf magische Weise eine Qualitätssteigerung der Zukunft verspricht. Wenn die Stadtkönige von Ugarit den Rat der Propheten befolgen, werden sie und die Bevölkerung überleben. Ähnlich lauten auch die Hinweise der israelitischen Propheten. Jedoch fehlt fast durchgehend eine ethische Verknüpfung, wie wir sie im Prophetentum der Jahwereligion finden. Dennoch sind in diesen Vorläufern Ansätze zu finden, aus denen die biblische Prophetie wuchs: Die Wirksamkeit des Gottesspruches, der, einmal gesprochen, Geschichte bewirkt; die Verknüpfung von Gegenwart und Zukunft: Aus dem Unheil, das Menschen heute tun, wächst größeres Unheil in Zukunft. Die prophetische Gewissheit lautet: "Wie Gott spricht, so geschieht's, wie er gebeut, so steht's da" (Ps 33,9; 148,5). 
  4. Im AT bedeutet Prophetie Auf Gott hören und sein Wort tun. Das Tun seines Wortes meint keineswegs nur, wie wir vielleicht denken könnten, die spontane Offenbarung dieses oder jenen politischen Entschlusses. Grundlage aller Prophetie im AT ist die althebräische Jahwegesetzgebung, die den Schwachen, Armen, Ausländer, Sklaven, mit einem Wort. den Hebräer (hebr. iwrim) schützt. Weil Israel und seine Könige dieses Jahwerecht übertreten, weil Unrecht im Lande herrscht, wird Unheil die Folge sein. Gott wird sich überlegen, ob er sein Heil und seine Offenbarung einem anderen Volk anvertraut, da Israel an dieser Aufgabe so sehr versagt.
  5. Symbolhandlungen, in Gottesdiensten und sonst in der Öffentlichkeit vorgestellt, nehmen die Existenz des Propheten in dessen Verkündigung mit hinein. Die prophetische Verkündigung erhält etwas Ganzheitliches. Wort und Handlung meinen die Vorwegnehme der sich so und so erfüllenden Geschichte. Die Gesellschaft erlebt aus der Existenz des Propheten ihre eigenen Weiterentwicklung wie in einem Spiegel. Symbolhandlungen (Jeremia), Namensgebungen von Kindern (Jesaia), Heirat und Ehe (Hosea), ja, sogar das eigene Leiden und Sterben des prophetischen Gottesknechtes (Jes 53) geraten so in die Symbolebene der prophetischen Verkündigung. Die Ausrufe der Propheten können insgesamt in die Dimension des Künstlerischen, Poetischen, Musikalischen gestellt werden.
  6. Gibt es auch Scharlatane und Schönredner? Ja, zur Genüge! Wurzel dieser Missentwicklung sind im Prophetenamt selbst angelegt. Ein König und eine Regierung suchen sich Propheten aus, die als Kultpropheten agieren. Es werden Kultbeamte bestimmt, die für ihre Aussagen gut bezahlt werden. Diese Kultbeamten mit festem Gehalt geraten in die Versuchung, Konformität zu entwickeln und anzusagen, mit der die Regierung und die Masse der Bevölkerung leben können. Anstatt zu Analyse und Gericht kommt es zur Schönfärberei, anstatt zur Buße zum blinden Nationalismus, zur regierungsamtlichen Verheißung anstatt zur Änderung des Unrechtssystems. Nicht die Befreiung der Unterdrückten im eigenen Lande, wie es das Jahwerecht fordert, ist angesagt, sondern die Stabilisierung der bestehenden Unrechtszustände.
  7. Die echten Propheten sagen den Weg zur bitteren Wahrheit an, auch für das Volk Gottes! Niemand wird ausgenommen. Das Volk Gottes, so erkennen die Propheten, ist ein Volk wie jedes andere auch. Was seine Erwählung ausmachen könnte, ist sein einzigartiges Rechts- und Sozialsystem, das den Niedrigen erhebt, den Schwachen stützt, dem Armen eine Chance gibt, den Sklaven befreit und dem Ausländer eine Zukunft mitten in der eigenen Bevölkerung gibt.
  8. Der bleibende Ausgangspunkt aller prophetischen Verkündigung ist die Befreiung zur Gerechtigkeit, wie sie im Auszug aus  Ägypten symbolhaft vorgestellt wird. Die Verankerung dieser Befreiung in der Geschichte und in der Ethik Israels kann nicht tief genug vorgestellt werden. In vielen Gesetzesvorschriften, die für die verschiedenen sozialen und politischen Bereiche die Befreiung des Menschen festmachen, wird formelhaft, aber doch tief begründend mitgeteilt: "....Das sage ich dir, der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, dem Sklavenhalterstaat, befreite. Du selbst bist doch auch ..... Sklave, Ausländer, Unterdrückter ... in Ägyptenland gewesen." Die Befreiung Israels aus Sklaverei und Unterdrückung wird zum Bild, das durch die prophetische Verkündigung läuft. Es ist das voraus entworfene Bild der Menschenrechtserklärungen heute und der immer noch nicht abgeschlossene Kampf um ihre Verwirklichung. Wie heißt ein chassidisches Sprichwort, das diese Theologie aufnimmt? Jeden Tag muss der Mensch aus Ägypten gehen.
  9. Es gibt in Israel und Juda abhängige und unabhängige Propheten. Bei dieser Unterscheidung müssen wir freilich nochmals differenzieren. Schließlich kamen der erste Jesaia, Jeremia und Hesekiel durchaus aus priesterlich-kultischen Schichten. Ihre Väter und Vorfahren hatten mit dem Jahwekult zu tun. Sie, die Kinder dieser Priester, wurden im Jahweglauben und -kult streng erzogen. Ihre Bildung stammte aus diesen religiösen Wurzeln. Ihre Ausbildung zielte auf eine Existenz als Kultprophet ab. Und doch, trotz dieser vorgeprägten Laufbahn als Establishmentpropheten, gerieten sie in den Gegensatz zur allgemein landläufigen Nationalpolitik, ja, in den Gegensatz zu Tendenz und Lebensart der gesamten judäischen Gesellschaft. Wir unterscheiden zwar Propheten, die sich von der Gehaltszahlung des Königs und dem Wohlwollen der Leute abhängig machen, von denen, die sich unmittelbar nur Jahwe verpflichtet fühlen. Es kann aber auch jemand, der zunächst für die religiöse Laufbahn vorgesehen ist, zum Radikalgegner der Gesellschaft und zum Außenseiterpropheten werden, wie z. B. Jesaia.
  10. In den Kanon der Schriftpropheten gerieten (fast) nur innerlich unabhängige, allein der sozialen und politischen Wahrheit, wie sie die Thora entfaltet, verpflichtete Propheten. Es ist aber auch verständlich, dass sich in diesem Kanon einige Propheten tummeln, die die nationale Leier heftig mitspielen und auch in Hass gegen Nachbarnationen und im geschichtlichen Irrtum befangen sind. Beispiele: Nahum, Habakuk.. Durchweg bleiben die übrigen Propheten kritisch gegen Entwicklungen, die der sozialen und politischen Intention der Thora entgegen stehen. Die meisten Propheten hängen dieser Grundidee des AT an, Gerechtigkeit für die Armen, und möchten diese durchsetzen. U. U. sind Nahum und Habakuk auch deshalb in den Kanon der Schriftpropheten geraten, weil die Redaktoren dieses Kanons in den Texten dieser Propheten doch etwas fanden, was sie für würdig hielten, als Wort Gottes aufbewahrt zu werden.
  11. Woran unterscheidet man eine wahren von einem falschen Propheten? Es gibt kein deterministisches Gesetz, dass den einen zum wahren, den anderen zum falschen Propheten machte, außer der Geschichte selbst. Ein wahrer Prophet ist, dessen Analysen und Zukunftsvisionen sich in der ankommenden Geschichte bewahrheiten.
  12. Und was ist mit den Visionen vom messianischen Friedensreich, z. B. eines zweiten Jesaia? Was mit den apokalyptisch-messianischen Visionen eines Sacharja? Alle Prophetie ist auf ankommende Geschichte hin ausgerichtet. Sie meint nicht eine billige Deus-ex-machina-Theologie, eine Theologie, die den Vollzug der Geschichte magisch beschwöre und so zur Vollendung bringe. Vielmehr sind es die Zusammenhänge von Unrecht und sozialem Versagen, die das Aus des Gottesvolkes herbeiführen, das Scheitern der Geschichte. Es bleiben Hoffnungen, Visionen, Träume, die ursächlich auch mit dem Befreiungsglauben zusammenhängen. Immer dann, wenn Israel am Ende ist, wenn das Gottesvolk wirklich scheitert, entsteht die Vision eines neuen Israel, weil doch Gott seinen Bund nicht hinfallen läßt, weil seine Treue bleibt: Gott wird kommen, um zu befreien. Diese Zukunftsvision für unsere Erde und ihre Menschen, in eine ankommende Zukunft hineingehofft, gehört genuin zum Glauben Israels.
  13. Schließlich führen die Visionen des neuen Anfangs ins Zweite Testament: Sie lassen das Zweite Testament als Kommentar zum AT entstehen. Die Juden, die dem Messias Jesus vertrauten, glaubten: Im Messias Jesus erfüllt sich alle Verheißung Israels: Gott kommt, um zu befreien. Das Wort wird im gekreuzigten Auferstandenen wahr.
  14. Propheten hatten Schüler. Unter Umständen haben diese erst die Worte ihrer prophetischen Väter notiert und der Nachwelt überliefert. Diese Schüler waren zumeist keine Einzelgänger. Es bildeten sich Gruppen von Jüngern, die nach dem Tode ihres Meisters zusammen blieben und das Wort ihres Chefs hüteten, deuteten und vermehrten. Nicht immer und in jedem Fall wurde also ein Prophetenwort unter dem jeweiligen Namen seines Verfassers notiert. So entstand das Buch des Jesaia als ein Sammlung von Sprüchen aus ganzen Prophetengenerationen. Ab Kapitel 40 wird der Neuansatz eines Propheten spürbar, der 100 Jahre nach dem ersten Jesaia lebte, spürbar, den wir den Zweiten Jesaia nennen. Ab Kapitel 55 scheint ein dritter Prophet durchzuschimmern, der in der Fachsprache der Theologen der Dritte Jesaia heißt. Es ist auch deutlich, daß es auch in den Kapiteln 1-39 des Jesaiabuches zu Einträgen und Einschüben von späterer Hand kommt. Und nicht nur bei Jesaia wird so gearbeitet.
  15. Stehen die Botschaft von der sozialen Gerechtigkeit und Verheißung einer Sanftmut des Friedens im Widerspruch? Wir erleben die Propheten zunächst als Gerichtspropheten, die das herausziehende Unheil für Israel und Juda erkennen und es warnend ansagen, wobei es auch bei den frühen Propheten keine absolute, mechanische Determination zum Unheil gibt. Nicht umsonst ist die hübsche Jonanovelle in die Prophetentexte eingeblendet, mit der die allumfassenden Barmherzigkeit, Liebe und Güte, die Gott, der Schöpfer, allen Menschen und aller Schöpfung schenken will, gekennzeichnet wird. Diese Erzählung zielt auf die Barmherzigkeit Gottes ab, der  aller Menschheit und Schöpfung seine Liebe schenken möchte. Es wird auch erzählt, wie sehr die fremden Völker, symbolisiert in den Einwohnern von Ninive, Gott erkennen, Buße tun und ihm anhängen, und wie sehr der Jahweprophet Jona, immer wieder versagt.
  16. Die Auflösung der Spannung zwischen Realität und Utopie, zwischen der herrschenden Politik und perfiden persönlichen Einstellung der Meisten wird in die Zukunft verlagert. Es wird eine Zeit kommen, in der Friede und Gerechtigkeit sich küssen werden (Ps 85,11). Spätestens mit dem Zweiten Jesaia, der in der Krise der Gefangenschaft sein Trostwort ansagt, wird Israels und aller Völker Heil, das Gott Jahwe verwirklichen wird, angesagt und als allumfassende blühende Friedenszukunft des Kosmos vorausentworfen. Im liebenden, erbarmenden Gott wird der Widerspruch zwischen der Verwirklichung der Gerechtigkeit und dem Vollzug des Erbarmens aufgehoben. Gott, der gerecht ist, ist auch zugleich der erbarmende, der seine Liebe durchsetzt. Seine Gerechtigkeit heißt Liebe. So und ähnlich formulieren es die späten Propheten, die das Heil Gottes für alle Welt ansagen, das vom Zion ausgehen wird.
  17. Auch das Jeremiabuch ist, analog den Entwicklungen, wie sie für Jesaia angedeutet wurden, im Laufe der Jahrhunderte gewachsen. Auch Jeremia hat Schüler, wie in Kapitel 36 ausführlich beschrieben: Baruch, ein Schüler Jeremias, schreibt das von Jojakim verbrannte Prophetenbuch neu. Dabei, auch in weiterer Zukunft, kommt es zu Umstellungen, Ergänzungen, Erweiterungen.
  18. In den Psalmen, z. B. in Psalm 31 bis 34, gibt Liturgieteile, die aus Jeremia stammen und hier benutzt wurden. Zu erklären ist das so: Es entstand nach dem Tode des Jeremia eine Welle der Verehrung. Der einzige, der die Geschichte wirklich verstand, weil er sie von Gott her deutete, war Jeremia. Es wurde eine Art Requiem entworfen, Liturgien, mit denen man des Propheten gedachte und seinen Status als Knecht Gottes bekannte. Gleichzeitig waren die Requiems Bußliturgien für das Volk.
  19. Insgesamt ist von allen Prophetenleben das des Jeremia am besten dokumentiert, im Jeremiabuch selbst sowie im 2. Königsbuch (2. Könige 22-25) wird ausführlich über die Lebenseinbrüche und Verfolgungen, die Jeremia erleben muss, berichtet.
  20. Das Prophetentum in Israel, aus uralten vorjudäischen Schamenenpraktiken, erwachsen, entwickelte sich besonders unter dem Königtum in Israel und Juda. Es wuchs weiter in die Zeit des Exils und des Nachexils hinein. Einige Nachläufer finden sich in der zeit nach dem Exil. Wir unterscheiden schriftlose Propheten und die Schriftpropheten.
  21. Der erste Schriftprophet ist Amos, der um 920 v. Chr. predigt. Er prophezeit im Nordreich unter Jerobeam II. (931 bis 910 v. Chr.). Er zeichnet auch deshalb seine Texte auf, weil er fliehen musste. Um die die Wahrheit seiner Analysen und Ansagen unter Beweis zu stellen, notierte er sie eben und gab sie unter der Hand weiter. Seine nachfolgenden Prophetengenossen sind Hosea, Jesaia und Micha. In die Zeit der Zerstörung des Nord- und Südreiches gehören die Propheten Zephanja, Nahum, Habakuk (eher Nationalpropheten), sowie Jeremia und Ezechiel, kritische Propheten.
  22. Die Zerstörung des Nordreiches Israel und seiner Hauptstadt Samaria, fand im Jahre  721 v. Chr. durch die Assyrer statt.
  23. Juda und dessen Hauptstadt Jerusalem mit dem Tempel wurden 587 v. Chr. durch die Babylonier dem Erdboden gleich gemacht. Beide Völkerschaften wurden exiliert, über die Exilierung der Juden des Nordreiches gibt es wenig Spuren. Die Exilierung der Menschen aus dem Südreich nach Babylon dauerte ungefähr 70 Jahre. Anschließend zerbrach das Babylonische Reich und die nachfolgende Herrschermacht, Persien, ließ eine Rückwanderung zu und förderte sie. Das Edikt des Cyros zur Rückwanderung stammt aus dem Jahre 538 v. Chr.
  24. Während des Exils wirkten vor allem Jeremia, Obadja, Hesekiel und der sogenannte zweite Jesaia (ab Kapitel 40), auch der dritte Jesaia hat sich ins Jesaiabuch eingestreut. Nach dem Exil kam es zu Nachklängen der Prophetie: Joel, Haggai, Sacharja, Maleachi, Jona.
Ø    (F) Aus den Propheten, Aus und nach dem Exil, Jes 40,1ff.; Jona 1,1-4,11, Propheten schauen Heil, Deuterojesaia, Jona
Ø    19.02. Ein erstes Lied des Knechts, bis 03.03. Widerspruch von oben
Ø    (Q) Aus den Propheten, Prophetie in Israel, Vorspann, Zwei aus dem Nordreich: Elia, Amos
Ø    Der Prophet Elia, 1 Kön 17,1-22,40; 2Kön 1,1-2,18, 24.08. Gottesurteil, bis 18.08. Die Stille eines Nichts
Ø    Aus dem Buch Amos, Am 1,1-9,15, 19.08. Amos: Berufung, wozu? Bis 29.08. Begegne deinem Gott
Ø    (R) Aus den Propheten, Jeremia, Jer 1,1-52,34; Kl Jer. 1,1-5,22; 2Kön 22,1-25,26
Ø    30.08. Ein Prophet in Zeitumbrüchen, bis 12.09. Frühe und späte Freunde
Ø    Vgl. Amos
Ø    Vgl. Elia
Ø    Vgl. Deuterojesaia
Ø    Vgl. Jona
    
Psalmen
Die Psalmen, das Gesang- und Gebetbuch der Juden und Christen, das bis heute zu vielen Nachdichtungen herausfordert, enthält Texte aus den verschiedenen Zeitepochen der jüdischen Geschichte und des jüdischen Glaubens. Interessant ist auch, dass in einer Entredaktion durch gesetzestreue Juden, die Frommen, der Gesamtkodex der Psalmen, wie er uns heute vorliegt, entwickelt wurde.
Ø    (E) Lieder für Gott, Die Psalmen, Ps 1,1-150,6, Odem 05.02. Glücklich der Mensch, bis 18.02. Versöhnung
Ø    Vgl. Staat....!
Ø    Vgl. Pharisäer...!
    
    
    
Quellen und Quellenscheidung im Pentateuch
Übersicht
Die ersten elf Kapitel der Genesis sind nicht die ältesten Texte der Bibel, im Gegenteil. Es handelt sich bei der Gestaltung der Urgeschichte um symbolhafte Deutung der Erd- und Menschheitsgeschichte, die in Teilen auf die Salomozeit zurückgeht, aber erst in der Gefangenschaft des jüdischen Volkes oder kurz danach seine jetzige Gestalt fand. Die Urgeschichte und weite Teile der Thora stammen grob gesagt aus vier Traditionen, die im oder nach dem Exil zur endgültigen Einheit verbunden wurden, durch Einschübe erweitert. So kommt es zu verschiedenen Akzentuierungen, die sich nicht ohne Brüche aber insgesamt zu einem beeindruckenden, mehrschichtigen Ganzen zusammenfügen. Vor allem im Pentateuch, in den fünf Büchern Mose, wurde versucht, die einzelnen Quellen voneinander zu trennen.
Hintergrund dieser Entwicklung
An den verschiedenen Heiligtümern in Israel und Juda wurden die religiösen Erzähl- und Liturgietraditionen gesammelt und gemäß den verschiedenen Einigungsprozessen zu vorlaufenden Sammlungen zusammengefügt. Dies geschah vor allem in der > Salomozeit, im Nordreich in der > Jehuzeit, aber auch im Südreich zu Zeiten Hiskias und > Josias. Das waren judäische Könige, die religiöse und soziale Reformen durchführten. Auch nach der Zerstörung des Nordreiches Israel (622 v. Chr.) und des Südreiches Juda (586 v. Chr.) drängten fromme Eliten, hier vor allem die im babylonischen Exil lebenden Juden darauf, allem nachzuspüren, was es an Traditionen gab und diese zu einer Einheit des Pentateuch zusammenzufügen.
Erweiterungen
Dabei wurden nicht nur die großen Erzählstränge kunstvoll ineinander verflochten. Manche Erweiterung, wie sie im Laufe der Zeit liturgisch verwendete Psalmen und in die laufenden Erzählungen eingebundene Liturgien wie auch Prophetentexte erfuhren, wurden noch nach dem Exil eingetragen. Ja, ein Vergleich der > LXX mit der Masora, dem hebräischem Text, zeigt, dass es noch nach der Übersetzung der LXX ins Griechische zu Erweiterungen im Masora-Text kam, die nicht mehr in die LXX nachgetragen wurden, da diese als Schriftblock als abgeschossen und als nicht mehr erweiterbar galt. Seine endgültige Gestalt erhielt das Erste Testament erst nach dem Exil unter Esra und Nehemia.
Details
Die 5 Bücher der Tora wachsen so aus verschiedene Quellen zusammen. Sie werden durch nachexilische Einschübe ergänzt und zu einer großen, kunstvollen Komposition zusammengebunden: Eine Nomadische Urschrift und Texte des Jahwisten werden zunächst unter Salomo zusammengeschlossen. Die Texte des Elohisten, wohl aus Israel stammend, werden u. U. während der Hiskiazeit mit den in Juda existierenden Erzählungen zusammengebunden. Eine weitere Überarbeitung tritt hinzu, die wir die deuteronomistische nennen, abgeleitet von > Deuteronomium, dem Zweitgesetz, wie es im Südreich unter Josia zur Geltung kam: „Wenn Israel auf Gottes Wegen bleibt und die soziale Komponente der Thora beachtet, wird es ihm gut gehen, ansonsten droht der Untergang!“ Das Deuteronomium wurde vielleicht ursprünglich fürs Nordreich unter Jehu konzipiert und gelangte erst nach der Zerstörung der Stadt Samaria in den Süden?
Weitere Details
Der Jahwist wirkte zur Zeit Salomos im Südreich (um 970 v. Chr.). Er verarbeitet eine Nomadische Urschrift, die auf die Wüstenzeit zurückgeht (ab 13. Jhdt. v. Chr.). Bei der Elohistischen Literatur handelte es sich wahrscheinlich um Sammlungen aus dem Nordreich (ab 930 n. Chr.). Die Deuteronomistische Überarbeitung erfolgte, wie bereits angesagt, in der Josiazeit (> Josia), als das Nordreich bereits zerstört war. Die Priesterschrift wurde im Exil entwickelt und als letzte große Überarbeitung eingefügt (ab 586 v. Chr.). Im Exil oder gleich nach dem Exil erfolgte die Endredaktion der uns vorliegenden fünf Bücher Mose, des Pentateuchs.
Verschiedene theologische Intentionen
Der Erzähler, den wir den Jahwisten nennen, gebraucht den Gottesnamen Jahwe von Anfang der Menschheitsgeschichte an. Hebr. Enosch, der erste Mensch nach Abel, Kain und Seth, ruft diesen Gottesnamen aus (Gen 4,26): Alle Menschheit ruft bewusst oder unbewusst Jahwe als ihren Gott an! Der Elohist lehrt, dieser Gottesname werde erst Mose offenbart (Ex 3,14). Vorher habe der Mensch für Gott den Namen Elohim gebraucht, eigentlich: Götter, also eine Mehrzahl, die aber längst in der Bibel als Einzahl gedacht wird. Die Priesterschrift ist an Kultischem interessiert, darum auch ihr Name, Priesterschrift! Der Deuteronomist greift das bekannte Schema von Segen und Fluch auf
Bedeutung der Quellenscheidung heute
Im 20. Jhdt. wurde in der Forschung ein enormer Wert auf die Quellenscheidung gelegt. Abgesehen davon, dass die Quellenscheidung nicht bis ins Letzte festgelegt werden kann, rücken wir heute den ganzheitlichen Sinn eine Thoraerzählungen in den Vordergrund. Dass die einzelnen Erzählelemente so und nicht anders angeordnet wurden, wird wichtig. In der Erzählabfolge und der Komposition des Ganzen liegt ein Sinn, den es herauszustellen gilt, wobei die theologische Intention der jeweiligen Ersterzähler nicht außer Acht gelassen werden soll. Insofern ist Quellenscheidung bis heute aktuell.
Ø    Vgl. Deuteronomist, Deuteronomium
Ø    Vgl. Rechbiter
Ø    Vgl. Urgeschichte
Ø    Vgl. Zweiquellentheorie
    
Qumran, Qumrananhänger
Ø    Vgl. Pharisäer..!