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Naherwartung
Ø    Vgl. Apokalyptik
    
Nachexilische Gemeinde und Dichtung
Alles, was sich nach dem Exil aus der Rückführung der Deportierten unter dem persischen König Kyros gemäß dessen Edikt von 538 v. Chr. an jüdischer Kultur in Palästina entwickelte, trägt deutliche neue Züge gegenüber dem, was an jüdischer Kultur und Bibeldichtung vor dem Exil in Juda war. Das Königtum wurde nach der Rückführung der Deportierten nicht wieder etabliert. Das Prophetentum dünnte aus und erlosch ganz. Psalmen wurde nicht neu geschrieben, sondern aus vorhandenem Gedankengut neu zusammengestellt. Und doch gestaltete sich das Judentum weiter: Die > Apokalyptik kam auf. Die Weisheitsdichtung entwickelte sich weiter. Die Auslegung der fünf Bücher der Thora, schon in Babylon mit reicher Tradition versehen, wuchs zum Babylonischen und Jerusalemer Talmud heran und wurde der in Synagoge, die in Babylon entstand, eingeübt. Die Psalmen erhielten ihre letzte, bis heutige gültige Überarbeitung. Der Kanon wurde zusammengestellt. Hellenismus und Bibeldenken verbanden sich – oder grenzten sich von einander ab! Wesentliche Grundlagen für das Aufkommen des Messianismus wurden in der Nachexilszeit gelegt.
    
Name
Der Name bildet in der hebräischen Sprache und im hebräischen Denken immer eine tiefgreifende Beziehung aus. Kenne ich den Namen eines Menschen, gewinne ich Wissen und Macht über ihn. Eine unendlich wichtige Kommunikation, ja Identifikation findet statt. Auch ist eine Beauftragung mit einer Namensgebung verbunden. So wird durch Gottes Weisung aus Abram, Hoher Vater, Abraham, Vater vieler Völker (Gen 7,4). Aus Jakob wird Israel, Gottesstreiter (Gen 32,29f). Vorher wurde der Name Jakobs mit Ferse (Gen 25,26) oder aber mit dem Wort betrügen in Verbindung gebracht, so auch Hosea (Gen 27,36; Hos 12,4). Einer der Söhne Noas, von dem das Menschengeschlecht der Semiten ausgeht, heißt Schem, also: Name (Gen 9,18). Dem Menschengeschlecht, das Name heißt, wird der Gottesname Jahwe offenbart: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (Ex 3,14 u. a.). So entsteht eine Beziehung von Namen zu Namen, der Bund. Gott, der den Menschen seinen Namen schenkt, ruft und kennt die Menschen mit Namen. So gewinnt der Mensch seine Lebensidentität aus Gott (Jes 43,1). Die Menschen jedoch wollen sich lieber selbst einen Namen machen, der göttliche Qualität besitzt, wie die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt. Sie verzichten auf die Beziehung von Namen zu Namen. Sie möchten nicht dialogisch, sondern eher autistisch leben (Gen 11,4). Gott missbilligt diese Anmaßung. Er zerstreut die Menschheit und verwirrt ihre Sprachen (Gen 11,1-9). In der LXX wird der Gottesname Jahwe mit (griech.) Kyrios, Herr, übersetzt, ein Brauch, der in der hebräischen Synagogenlesung aufgenommen wird: Jahwe wird in der Synagoge grundsätzlich als (hebr.) Adonaj, Herr, gelesen, weil der eigentliche Gottesname, Jahwe, nicht ausgesprochen werden darf. Die junge Christenheit überträgt den Namen Herr auf den auferstandenen Messias Jesus (Phil 5,5-11).
    
Naziräer, Naziräerevangelium
Nazoreios
Bei Mt wird als erstem auf einen merkwürdigen Beinamen Jesu, nämlich er sei ein gr. Nazoreios, hingewiesen, in der Vorgeschichte des Matthäus, ein Name, der dann bei Mt in der Passion Jesu wieder auftaucht (Mt 2,23; 26,71). Auch Lukas nimmt diese Bezeichnung auf. Dem Blinde von Jericho wird gesagt, Jesus Nazoreios gehe vorüber, wobei spätere Skripten in ´Jesus aus Nazareth´ umwandeln (Lk 18,37). In der Passionsgeschichte des Joh wird der Name ebenfalls gebraucht, die Häscher suchen in Gethsemane Jesus Nazoreios (Joh 18,5.7). Auch am Kreuz wird diese Bezeichnung bei Joh angebracht: Jesus Nazoreios, König der Juden (Joh 19,19). Die Apg wählt in diversen Reden des Petrus diesen Namen (Apg 2,22; 3,6; 4,10; 6,14) und greift ihn in späten Paulusreden, vor allem vor sachkundigem jüdischem Publikum, auch von dessen Gegnern, wieder auf (Apg 22,8; 24,5; 26,9).
Verdacht
Ein Verdacht taucht auf, Jesus stamme gar nicht aus Nazareth, vielmehr sei mit dem Hinweis auf seine angeblichen Wohnort eine frühe Verschleierung passiert. Jesu Berufung sei ursprünglich als eine Berufung ins Nazirat zu verstehen. Aus Jesus Nazoreios sei dann Jesus aus Nazareth geworden. Dieser Verdacht wird dadurch genährt, dass es in der Jerusalemer Urkirche neben dem Ebioniterevangelium ein Naziräerevangelium gab.
Geweihter
Gr. Nazireios bedeutet Geweihter, die Vorschriften für ein Weiheleben stehen im Ersten Testament (Num 6,1-21). Ein Geweihter verzichtet auf Wein und Essig, lässt sich die Haare nicht scheren und darf keine Toten berühren. Wesentlich bleibt die Abwehr des Weins und all seiner Nebenprodukte. Es gibt Geweihte auf Lebzeit (Simson, Samuel) und auf Zeit. Ein Naziräer lebt aus der Tendenz, dass in der ersten Wüstenzeit die Gottesforderungen nach der Befreiung des Menschen besser gelebt wurden, das Einsickern Israels ins Kulturland Kanaan habe die Freiheitsreligion der Hebräer verfälscht. > Johannes des Täufers Sendung trägt nasiräische Züge in sich.
Naziratsgelübde
Ein Naziratsgelübde musste für mindestens 30 Tage abgeschlossen werden, was Paulus, als er von Griechenland und Kleinasien nach Jerusalem zurückkehrt, auf sich nimmt (Apg. 21,23). Offensichtlich gab es Judenchristen in Jerusalem und Juda, denen der Libertinismus der Juden- und Heidenmission des Paulus und seiner MitarbeiterInnen zu weit ging. Für sie war Jesus eher der Vollender des Nazirats, in dessen Fußspuren Zucht und Enthaltsamkeit usw. geboten waren. Auch das Naziräereveangelium kann wie das > Ebioniterevangelium nur punktuell rekonstruiert werden.
Ethischem Rigorismus eine Absage erteilt
Es klingt unwahrscheinlich, die Jesusbewegung sei aus einem ursprünglichem Rigorismus Jesu nach dem Neuanfang nach Ostern freiheitlich ausgebrochen. Also, sie habe mit dieser strengen Tradition gebrochen, nachdem Jesus selbst ganz in der Tradition der Enthaltsamkeit gelebt habe. Zu deutlich sind die Beispiele Jesu und aus der Urgemeinde, dass die Messiasbewegung bereits unter dem historischen Jesus eine humane Befreiungsbewegung wurde, die fanatisierendem ethischen Rigorismen eine Absage erteilte. Wie hätte sonst der Wein im Herrenmahl zu seiner zentralen Rolle kommen können? Und warum soll man jungen Wein nicht in alte Schläuche füllen (Mk 2,22)? Und die Heilungen am Sabbat? Dennoch sind Elemente der Naziräer-Bewegung in die Evangelien eingeflossen, vor allem in den Reden von Q, in denen die Aufforderung zur Armut hervorsticht. Es muss in Jerusalem, nach Ostern, Gruppen gegeben haben, die eine ausgeprägte nasiräische Tradition pflegten und sich dabei doch auf Jesusbezogen.
Ø    30.10. Dilemma
Ø    Vgl. Arme, Armut
    
Nehustan
Ø    Vgl. Schlange  

Nero
Römischer Kaiser, 54 – 68 n. Chr.
Ø    Vgl. Staat Gehorsam und Widerstand, jüdische und christliche Auffassungen