Willkommen
Vita
Veröffentlichungen Übersicht
Veröffentlichungen Internet
365 mal Gott-Lexikon
Gestaltung
Kontakt
Impressum
F (365 mal Gott-Lexikon) Drucken
Feste, jüdische
Christen und Juden feiern zusammen
Christen und Juden haben den Siebener-Rhythmus der Woche gemeinsam, wobei der jüdische Sabbat (hebr. Schabat) am Freitagabend beginnt und am Samstagabend endet. Lange Zeit haben die Christen den Sabbat geachtet und zusätzlich den christlichen Abendgottesdienst die Nacht über und im Morgengrauen, wenn der Messias in dieser Nacht nicht erschienen war, das Abendmahl gefeiert. So wurde der Nachfolgetag zum Sabbat, der 1. Tag der Woche, zum Feiertag der Christen, weil er der Auferstehungstag Jesu war. Dabei gab es im Anfang keinen Verzicht auf den Sabbat, vielmehr wurde in den 1. Wochentag „hinein gefeiert“. 
Erst spät gab die christliche Gemeinde zu Rom die Sitte auf, zuerst das jüdische Passafest und anschließend das christliche Osterfest zu feiern, bis 315 n. Chr. den sogenannten Quatrodezimanern durch Beschluss der Christensynode dieses Doppelfest verboten wurde. So binden wir bis heute die Feier des Osterfestes an den jüdischen Festkalender, der sich nach dem Mondjahr berechnet. Dem gemäß wird auch Pfingsten als bewegliches Fest gefeiert, das 50 Tage nach dem Passa gehalten wird. Es findet genau am 50. Tag nach dem Passafest statt, nachdem sieben mal sieben Wochen nach dem Passafest vergangen sind. Darum heißt es auch Wochenfest (hebr. Schawuot). Es erinnert an die Gottesoffenbarung am Sinai, an die Gabe der 10 Gebote (Ex 19-20).
Jüdische Feste
Die jüdischen Fest begründen sich alle aus biblischen Erfahrungen sowie aus historischen Beziehungen heraus. Da das Erste Testament doch einen gewissen Einblick in historische und kulturelle Zusammenhänge gibt, kann der Bibelbezug zu jedem der Feste hergestellt werden, auch wenn die genaue historische Relevanz häufiger im Dunkeln bleibt. Bereits in biblischer Zeit wurden drei Wallfahrtsfest gegangen, Feste, zu denen man der Sitte und Ordnung nach Jerusalem wallfahrtete, > Passa (hebr. Pesach,), Wochenfest (hebr. Schawuot, > Pfingsten) und das Laubhüttenfest (hebrt. Sukkot). Das Laubhüttenfest ist ein Erntefest, das man im Herbst feiert. In der Erinnerung an die Wüstenwanderung verbringt man es in Laubhütten, die aus großen und kleineren Ästen zu einem Laubzelt zusammengebunden werden, in denen man sich zur Festzeit aufhält (Ex 23,16; Lev 23,42f.; Num 29,12-38).
Auch das Neujahrsfest (hebr. Rosch ha-Schana) und der Versöhnungstag (hebr. Jom Kippur) reichen in uralte, biblische Zeiten zurück (Ex 23,14-17; Lev 23; Dtn 16). Das Neujahrsfest wird zwei Tage lang gefeiert. Es wird mit dem Schofarhorn angeblasen, das teils langgezogene, teils schmetternde Töne abgibt.
Jom Kippur ist ein würdiges, ernstes Fest, vielleicht der höchste Tag im jüdischen Festkalender. In biblischer Zeit trat an diesem Tag, dem einzigen im Jahr, der Hohepriester ins Allerheiligste ein, um die höchste Sühnezeremonie in Israel zu vollziehen (Lev 16,21f.).
Das Chanukkafest, auch Lichterfest, das der Wiedereinweihung des Tempels im Jahre 164 v. Chr. gewidmet ist, dauert acht Tage (1Makk 4,1-59; 2Makk 10,12-8). Das Purimfest erinnert an die Errettung aus einer geplanten Judenverfolgung, die Esther abwendet, was im Buch Esther 1-10 ausführlich und hochdramatisch beschrieben wird. Heute ist das Purimfest eher ein Karnevalstreiben.
Hinzu kommen Fastentage, die auch aus biblischer Zeit stammen, wie wir aus dem Ersten und dem Zweiten Testament wissen (1 Kön 21,9; Jes 58,5; Jer 36,9; Mt 4,2).
   
Frauen in der Bibel
Strömungen im Ersten Testament
Eine biblische Lehre von der Frau gibt es nicht. Verschiedene Kulturauffassungen spiegeln sich in den verschiedenen Abschnitten der Bibel wider. Manches stammt aus einem Kulturkreis, in dem die Frau eine untergeordnete Rolle spielt, wie es die Urgeschichte anzuzeigen scheint (Gen 3,1, vgl. Gen 2,18-24). Gibt eine Frau ein Gelübde gegen den Willen des Vaters oder des Ehemanns ab, so ist es nichtig (Num 30,4-17). Entsprechend niedrig ist die Rechtsstellung der Frau (Dtn 21,14).
Feministischer Widerspruch
Aber da meldet sich feministischer Widerspruch an! Ausgerechnet der Same der Frau wird die Schlange vernichten. In diesem Mythos wird die Schlange zum Symbol für eine schlimme Entwicklung: Absolute Selbstbestimmung degeneriert zur Fremdbestimmung, aus der die Frau befreit, indem ihr „Same“ den Kopf der Schlange zertritt, also, das System der Fremdbestimmung abschafft (Gen 3,15). Entsprechend treten Frauen im Ersten Testament auf, die in der Entwicklungs- und Befreiungsgeschichte Israels und der Völker eine bedeutende Rolle spielen: Eva, Mutter alles Lebendigen (Gen 3,20); Sara, Fürstin (Gen 11,29ff.); Rebekka, Stammmutter Esaus und Jakobs (Gen 22,23ff.); Rahel, Stammmutter Benjamins und Josephs (Gen 30,1ff.; 35,16-19); Mirjam, Israels erste Prophetin (Ex 15,21); Deborah, Richterin und Prophetin in Ephraim (Ri 5,1ff.); Ruth, Ausländerin, die sich zu Israels Gott bekennt, nach der Legende die Urgroßmutter Davids Ru 1,1ff.; Mt 5,1); Hulda, eine Prophetin, die Israels Untergang ansagt, falls keine Umkehr erfolge (2Kön 22,14ff.); Esther, die durch Klugheit, List und Mut ihr Volk befreit (Est 1,1ff.); Judith, eine standhafte Prophetin und Befreierin ihres Volkes (Jud 1,1ff). In Andeutungen und Erzählungen des Ersten Testaments ist die Befreiung der Frau, wie sie die Messiasbewegung intendiert, angelegt.
Frauenbefreiung in der Jesusbewegung
Jesus, der sich sein Leben lang für die Menschen einsetzt, die unterprivilegiert leben, hat in seinem Gefolge auch Frauen, nicht nur Männer, obwohl die Theologie des damaligen Judentums klar eine männliche Domäne war. Mit 13 Jahren wird ein Jude, mit 12 Jahren eine Jüdin religionsmündig. Die Männer werden dazu bestimmt, in der Synagoge aus der Thora vorzulesen, während die Frauen an diesem Gottesdienst nur durch eine Gitterwand getrennt oder gar nicht teilnehmen dürfen. Dem wirkt Jesus entgegen. Frauen sind Geschöpfe Gottes, den Männern ebenbürtig. Er heilt sie (Mk 1,29ffpar; 5,21-43par.; 7,24-30par.; Lk 13,10-17) und kümmert sich um eine Mutter, die ihren Sohn verlor (Lk 7,11-17). Frauen, vor die Entscheidung gestellt, in der Küche zu dienen oder Jesus zu lauschen, das heißt: Theologie zu betreiben, werden von Jesus zu Letzterem ermutigt (Lk 10,38-42). Jesus hatte Jüngerinnen (Lk 8,2f.). Er trat für die Frauenrechte in der Ehe vehement ein (Mt 5,27-32). Einer Frau, noch dazu einer Samaritanerin, offenbart sich Jesus als Erster als Messias, so Johannes (Joh 4,1ff.). Frauen werden erste Zeuginnen des leeren Grabes (Mk 16,1ff.) und der Auferstehung (Joh 21,1.11ff.). So trägt die Jesusbewegung in sich ein bedeutendes frauenemanzipatorisches Element.
Emanzipatorische Bewegung unter den ersten Christen
Diese Entwicklung wird in der Urgemeinde zunächst fortgesetzt, ja, bewusst gesteigert. So gab es in der Urgemeinde auch Prophetinnen (Apg 21,9; Röm 16,7). Der unerschöpfliche Schwall von Frauennamen, die Paulus in den Schlüssen seiner verschiedenen Briefe erwähnt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Frauenbefreiung in der Urgemeinde fortsetzt und weiter entwickelt. So bekommt die Frauenemanzipation der Bibel ihren Anhalt am Historischen Jesus.
Wir dürfen darüber hinaus annehmen, dass die erzählten Frauengeschichte, die um Jesus spielen, auch Spiegelbilder der urgemeindlichen Entwicklung sind.
Frauennamen in der Grußliste des Römerbriefes
Einen etwas sichereren Boden bekommen wir unter die Füße, wenn wir die Grußlisten der Paulusbriefe studieren. Ich wähle nur eine Liste aus, das 16. Kapitel des Römerbriefes. Priscilla und Aquila, eine Ehepaar, werden hier und anderswo als gemeinsam missionierende Christen erwähnt (Apg 18,2.3.18f.; Röm 16,3; 1Kor 16,19). Phoebe, die Reine, empfiehlt Paulus der Gemeinde in Rom. Sie steht im Dienst der Gemeinde in Kenchrea, einem Vorort Korinths (Röm 16,1). Gegrüßt werden eine gewisse Maria (Röm 16,6), Tryphäna und Tryphosa, die beide – das wird hervorgehoben – im Herrn arbeiten (Röm 16,12). Ebenso soll Persis gegrüßt werden, die Paulus „meine Liebe“ nennt, sie habe sich viel im Dienste des Herrn gemüht (Röm 16,12). Die Mutter des Rufus sei auch ihm, Paulus, zur Mutter geworden (Röm 16,13). Gegrüßt werden sollen auch ein gewisser Philologus und eine Julia, auch ein Nereus und seine Schwester, die namentlich nicht genannt wird (Röm 16,15). Eine besondere Bewandtnis hat es um Junias (Röm 16,7), der gemäß exegetischen Scharfsinnigkeiten Junia heißen müsste, da es den Männernamen Junias nicht gab, wohl aber den Frauennamen Junia. Dieser wird Apostolinnenwürde zuerkannt, eine Stammverwandte des Paulus. Sie ist eine Persönlichkeit, die sich schon vor Paulus zum Christentum bekannte (Röm 16,7). Diese bemerkenswerte Liste zeigt auf, wie sehr sich die Missionsbewegung der Ersten Christen auf Frauen stützte, auch, wenn diese nicht in Gemeindeleitungen aufstiegen. Sie nahmen bemerkenswerte Ränge im Gemeindeleben ein.
Dabei spielt es keine Rolle, ob das 16. Kapitel des Römerbriefes zunächst in anderen Zusammenhängen stand, etwa am Ende eines anderen Paulusbriefes (> Briefe). Bemerkenswert bleibt, dass es Zweiten Testament ein solch gewaltiges Zeugnis gibt, dass Frauen in der jungen gr. ekklesia, Kirche, so deutlich in der Verantwortung für Dienst und Lehre stehen. 
Spätere Entwicklungen
Später entwickelte sich die messianische Frauenbewegung wieder rückwärts. Frauen, soeben noch von Paulus mit den Männern in eine Reihe gestellt, befreite Christusmenschen (Gal 3,28), werden, zumindest was die Praxis des Gottesdienstes anbetrifft, zum Schweigen gebracht (1Kor 14,34f.), ein Eintrag aus späterer Zeit, aus 1 Tim 2,8-14 interpoliert. Zu schließen ist dieser Tatbestand aus dem Umstand, dass einige wichtige und frühe Handschriften den Zusatz, das Weib solle in der Gemeinde schweigen, nicht aufweisen, so zum Beispiel der Kodex p 46. In dieser Handschrift, einem sehr frühen und zuverlässigen Pergament, fehlt die entsprechende Bemerkung im 1. Korintherbrief. Ebenso wird in den Handschriften zu 1. Kor 14,34f., die das Verbot der Frauenpredigt aufweisen, die handfeste synagogale Begründung für die Hintansetzung der Frau, sie sei die Zweitgeborene nach Adam und sie habe den Mann zur Sünde verführt, nicht gebracht. Selig könne eine Frau aber durchs Kinderkriegen, als christliche Gebärmaschine werden, wie es in den Deuteropaulinen festgeschrieben wird (1Tim 2,11f.; vgl. 1Kor 14,34f.). So hätte sich Paulus nicht ausgedrückt!
Ø    11.03. Zwei Frauen
Ø    30.03. Frauen am Grabe
Ø    06.07. Deborah, Barak, Jael
Ø    07.06. Stille sein
Ø    (O) Starke Frauen, Das Buch Ruth 1,1-4,21, Vorspann, Geschichte oder Symbol?
Ø    12.07. Auftakt, bis 18.07. Bleibende Botschaft
Ø    11.11. Umkehr zur Freiheit
   
Frieden
Biblischer Befund
Das Wort hebr. shalom, Frieden, hat im Ersten und Zweiten Testament einen hohen Stellenwert. Und die vielen grausamen Kriegsberichte im Ersten Testament? Häufig verstehen sich derartige Erzählungen, die die Grausamkeit der Blutrache und des Heiligen Krieges herausstellen, als mahnende Beispiele: Gewalt eskaliert stets zur Supergewalt. So geht es nicht weiter! (Gen 4,1-24; Ri 19,1-25). In der späteren Zeit Israels gewinnen die erzählten Geschichten, die von Siegen des Gottes der Heerscharen, des hebr. Jahwe Zebaoth, sprechen, mehr und mehr einen unkriegerischen Touch: Himmlische Kräfte, Engelmächte, führen unsichtbar und ohne kriegerische Mittel den Sieg herbei (Jes 6,1-13). Sie erzählen vom Sieg der Gottesboten, was im Zweiten Testament gleich bei der Geburt des Messias als Engelsbotschaft ausgerufen wird (Lk 2,14). Aber auch der in Exodus geschilderte Erstsieg Israels, Israels Sieg über die Ägypter beim Durchzug durchs Rote Meer, meint Gottes eingreifendes Handeln, nicht etwa die militärische Tüchtigkeit der Israeliten. Diese militärische Tüchtigkeit gibt es in diesem Traditionszusammenhang nicht. Militärisch tüchtig sind die Ägypter – und gerade sie gehen in den Fluten unter (Ex 14,14).
Jesus
Dass Jesus in den Evangelien als Pazifist und als Versöhner dargestellt wird, ist mir unumstößlich (Mt 5,3.7.9.21-27.38-42.43-47; 26,52-54). Für Jesus und seine Nachfolger ist deutlich, dass der messianische Weg eben nur im Gewaltverzicht, im Verzicht auf militärische und wirtschaftliche Machtausübung gegangen werden kann (Mt 4,1-11; Joh 13,34f.). Jesus predigt Barmherzigkeit, Versöhnung und Gewaltfreiheit, Gottes Vollkommenheit (Mt 6,48), die er vom Kreuz herab bestätigt. Er muss seinen gewaltfreien Versöhnungsweg mit dem Leben bezahlen, was er bejaht (Lk 23,33-34).
Friedensbewegung aus der Nachfolge Jesu
Seit den Tagen der Reformation wird die Friedensthematik in einem politischen Sinne aktuell – und bleibt es. Sie wird aus biblischen Quellenlage beantwortet. Erasmus von Rotterdam nimmt Friedensgedanken, wie er in der Devotio moderna, dem Aufbruch aus mittelalterlicher dogmatischer Theologie im Rückgriff auf biblische Zeugen angedacht wurden, auf und verdichtet sie in seiner Streitschrift, „Querela Pacis“, Friedensstreitigkeiten (1517). Luther und sogar Zwingli stehen radikalen, aus der Bibel begründeten Friedensutopien zunächst nahe, verwerfen sie dann aber scharf. Von Thomas Morus, Utopia (1516) bis zu Kant, Vom ewigen Frieden“ (1795), bleiben die Themen „Friedenssicherung“ und „Gewaltverzicht“ auf dem Tableau. Ein Völkerbund, der Streit schlichtet und Friedensgerichte, die auf Kriegsverzicht und Abrüstung aus ist, werden als Friedensinstrumente vorgeschlagen. Vittoria, Molina und Hugo Grotius (+ 1645) entwerfen Völkerrechtsideen. Es soll ein Recht entstehen, das über den einzelnen Staatenverbund hinaus für alle Staaten gültig wird, um Kriege somit unnötig zu machen.
Historische Friedenskirchen
Diese Themen entwickelten sich keineswegs nur aus der Philosophie, sondern auch aus radikalen christlichen Bewegungen, die sich auf die Bergrede Jesu und auf Jesu Tun beriefen. Drei größere Gemeinschaften entstanden, die wir heute die historischen Friedenskirchen nennen, Mennoniten, Quäker, Church of Brethren.
Täuferbewegung, Mennoniten
In der Täuferbewegung waren zunächst die Stäbler, radikale Pazifisten, die sich immer nur mit dem Stabe, niemals mit dem Schwert wehren mochten, gegenüber den Schwertlern, die meinten, in der Gefahr müsse der Christ ein Schwert bei sich tragen und wenn er angegriffen werde, auch gebrauchen, in der Mehrheit. Die Täufer hatten ihre Lehrer aus den Bauernkriegen gezogen. Ihr Denken änderte sich ab 1529, als auf dem Reichstag zu Speyer die Täuferbewegung für vogelfrei erklärt und im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die Jagd auf die Täufer eröffnet wurde. In Münster, der innereuropäischen Fluchtburg, wie die Täufer glaubten, von Gott geschenkt, kam´s zum Desaster.
Menno Simons
Menno Simons, ein katholischer Priester aus Holland, von dem die Sage geht, er habe die Ketzer in Münster zum Richtblock führen müssen, bekehrte sich zum Täufertum und sammelte die Resttäufer zu einer gewaltfreien, pazifistischen Bewegung im Sinne der Stäbler (ab 1536), die in der Öffentlichkeit Mennoniten genannt wird und bis heute con variatione zu ihren Grundsätzen steht und die Grundsätze von Frieden und Versöhnung in die Völkergemeinschaft einzubringen.
Quäker
Die Sozialen Ansätze der Jesusbewegung wurden von den Quäkern, gegründet von Georg Fox (1624-1691), als spiritueller Flügel des englischen Puritanismus. William Penn (1644-1718), Begründer des Staates Pennsylvania, hochgebildeter Staatsmann und Jurist, entwarf eine Verfassung größtmöglicher Freiheiten, die schließlich zum Vorbild der Verfassung der Vereinigten Staaten wurde. Erleuchtet vom „Inneren Licht“ (Joh 1,9), sehen die Quäker die Weltzustände von Armut, Krieg, Ausbeutung und Ungleichstellung und -behandlung der Menschen als ihr Aufgabenfeld an. Es gilt, diese Menschenunwürdigkeiten abzuschaffen. Keineswegs lassen sich die Quäker von ihren mystischen Regungen zum Quietismus, zur öffentlichen Ruhigstellung, verleiten. Vielmehr bringt sie die innere Kraft, aus der Bergrede Jesu geschöpft, dahin, radikale Weltveränderungen anzudenken und in die Tat umzusetzen. Sklavenbefreiungen in den USA, Neuansätze in der Psychiatrie, Gründung des Weltfriedensbundes, Weltfriedenskonferenzen, Quäkerspeisung nach dem 1. und 2. Weltkrieg in Deutschland. Auch die Entstehung von Gesetzen in der BRD, die es uns ermöglichen, Zivildienst zu leisten, gehen auf Initiativen dieser Bewegung unter uns zurück. Dabei werden Dogmenzwang und kirchlich gebundener Autoritätsglaube abgelehnt.
Church of Brethren
Aus einer deutschen Täuferbewegung hervorgegangene Gemeinschaft, die die Vermischung von Staat und Kirche ablehnte, für Glaubensfreiheit eintrat, gegen jeden religiösen Zwang eingestellt ist und die Beteiligung an jeglichem Kriegsdienst verweigert. Gründer ist ein Franckeschüler Alexander Mack (1679-1735), der in Schwarzenau im Edertal acht Erwachsene taufte und in der so gegründeten Gemeinschaft urchristliche Grundsätze ausleben wollte. Verfolgungen führten zur Auswanderung nach Pennsylvania. Wegen des kompromisslosen Eintretens für Gewaltfreiheit ist diese Gemeinschaft weit über ihre Wirksamkeiten in den USA bekannt. Sie hält an deutscher Sprache und Sitte fest.
Christlicher Radikalpazifismus
Während die Großkirchen weltweit auf radikalpazifistische Verkündung und Lebensweise verzichten (oder sie höchstens als Alternative zulassen), bringen die Friedenskirchen im Verbund mit Strömungen anderer Religionen die Menschheit immer wieder auf den Punkt zurück: „There is no way to peace than peace. Peace is the way!“ (Martin Luther King). Mahatma Gandhi und Martin Luther King sind die hervorragendsten Vertreter eines Pazifismusa, der beweisen möchte, dass moderne Klassen-, Rassen- und Staatenfragen gewaltfrei gelöst werden können.
Kein Gewaltverzicht ohne Leidensdruck
Dabei wird deutlich, dass kein Gewaltverzicht, der ja auch immer einen Machtverzicht mit sich bringt, ohne eigenen Leidensdruck durchgesetzt werden kann. Aber, rein rational gesagt, ist das Leiden, das aus dem gewaltfreien Weg entsteht, ein Geringes gegenüber den Verlusten, die zustande kommen, wenn Terror-, Antiterror oder Kriegsmaßnahmen ergriffen werden. Die modernen Vernichtungsmittel sind einfach zu zerstörerisch.
Krieg soll nach Gottes willen nicht sein
Das Evangelium, der Botschafter Jesus und die Junge Gemeinde zu Jerusalem entwickeln diese Idee, dass Christen bewusst auf Mittel der Gewaltpolitik verzichten. Darüber hinaus gilt: Texte und Handlungsweisen der Urgemeinde sind Garanten dafür, dass die Verweigerung des Kriegsdienstes und die Absage an den Krieg als Mittel der Politik biblisch zu begründen sind, nicht etwa aus irgend einer Zeitlaune heraus, sondern aus dem gewaltfreien Tod Jesu am Kreuz.
Wer einen aus dem Evangelium begründeten Pazifismus vertritt, hat das glaubwürdigere Zeugnis der Bibel und des Glaubens auf seiner Seite: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ (Amsterdamer Weltkirchenkonferenz 1948).